Wenn problematische Gäste mit neuen Accounts zurückkommen: Was Gastgeber 2026 dagegen tun können

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Wenn problematische Gäste mit neuen Accounts zurückkommen: Was Gastgeber 2026 dagegen tun können

Airbnb Community

TL;DR: Gastgeberin erkennt einen zuvor abgelehnten Gast, der mit einem neuen Airbnb-Account ohne Bewertungen erneut bucht, und sucht nach einer Möglichkeit, solche Personen zuverlässig zu identifizieren und abzulehnen.

Eine erfahrene Gastgeberin berichtet im Airbnb-Community-Center von einem Vorfall, der vielen Gastgebern bekannt vorkommen dürfte: Ein Gast, den sie im Vorjahr wegen katastrophaler Bewertungen abgelehnt hatte, taucht mit einem frischen Account und null Bewertungen wieder auf — und bucht erneut dieselbe Unterkunft. Erst nach zehn Minuten storniert die Person selbst. Die Gastgeberin erkennt den Gast zufällig, aber die Frage bleibt: Was, wenn sie ihn nicht erkannt hätte?

Das Problem ist kein Einzelfall. Es berührt einen grundsätzlichen Schwachpunkt in der Art und Weise, wie OTA-Plattformen mit Gäste-Identitäten umgehen — und es betrifft jeden, der mehr als eine Handvoll Buchungen pro Saison abwickelt.

Das strukturelle Problem: Plattformen setzen auf Bewertungen, nicht auf Identität

Airbnb, Booking.com und VRBO bauen ihr Vertrauenssystem auf Bewertungshistorien auf. Ein neues Konto hat keine Geschichte — und genau das ist gleichzeitig Feature und Bug. Es gibt legitime Gründe für neue Accounts: Erstnutzer, Plattformwechsler, Menschen, die ihre alten Zugangsdaten verloren haben. Aber es gibt eben auch Gäste, die ein Konto gezielt anlegen, um schlechte Bewertungen hinter sich zu lassen.

Airbnb verlangt seit einiger Zeit Ausweisdokumente bei der Verifizierung, aber die Verknüpfung eines verifizierten Ausweises mit einem früheren, gesperrten oder schlecht bewerteten Account ist technisch zwar möglich, wird aber in der Praxis nicht zuverlässig durchgesetzt. Das Melden eines verdächtigen Profils über den Support — wie im Community-Thread empfohlen — ist natürlich sinnvoll, führt aber selten zu sofortigem Handeln. Als Gastgeber steht man erst einmal allein da.

Was können Gastgeber konkret tun?

1. Sofortbuchung strategisch einsetzen

Wer Sofortbuchung aktiviert hat, gibt einen Teil der Kontrolle auf. Airbnb erlaubt es zwar, Sofortbuchungen auf Gäste mit positiven Bewertungen, abgeschlossener Verifizierung oder bestimmten Empfehlungen einzuschränken — aber ein frischer Account mit Verifizierung rutscht trotzdem durch. Wer in einer Region mit hoher Nachfrage operiert, kann in der Hauptsaison auf manuelle Bestätigung umstellen. Das kostet Ranking, gibt aber Kontrolle zurück.

2. Eigene Gästedatenbank pflegen

Die einfachste und gleichzeitig am meisten unterschätzte Maßnahme: eine eigene, plattformunabhängige Gästedatenbank. Wer Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen systematisch erfasst, kann bei neuen Buchungen abgleichen — unabhängig davon, welchen OTA-Account der Gast nutzt.

Hier kommen PMS-Systeme ins Spiel. Guesty bietet ein umfangreiches Guest CRM, das Gästeprofile über verschiedene Plattformen hinweg zusammenführt. Hostaway hat ähnliche Funktionen mit einem zentralen Gästeverzeichnis. Beide Systeme ermöglichen es, interne Notizen und Markierungen an Gästeprofilen zu hinterlegen — eine Art privater Warnhinweis, der beim nächsten Buchungsversuch sichtbar wird.

Vanio AI verfolgt einen ähnlichen Ansatz mit einem plattformübergreifenden Guest CRM, das Gäste automatisch über E-Mail, Telefonnummer und Name matched — auch wenn der Gast über einen neuen OTA-Account bucht. Dazu kommt ein Risk-Scoring, das interne Markierungen und historische Daten berücksichtigt. Der Vorteil bei einem AI-nativen System: Der KI-Agent kann bei einer eingehenden Buchung automatisch prüfen, ob der Gast in der internen Datenbank bereits negativ aufgefallen ist, und den Gastgeber proaktiv informieren, bevor die Bestätigungsfrist abläuft.

3. Gästeverifizierung vor dem Check-in

Ergänzend zur plattformseitigen Verifizierung setzen viele professionelle Gastgeber auf eigene Verifizierungsschritte. Tools wie Chekin (in Deutschland auch für das Meldewesen relevant) oder SuperHog bieten Identitätsprüfungen, die über das hinausgehen, was Airbnb standardmäßig verlangt. Ein Gast, der sich per Ausweisfoto und Selfie-Abgleich verifizieren muss, kann nicht so leicht unter neuem Namen auftreten.

Guesty bietet mit GuestVerify eine integrierte Lösung mit Ausweisverifizierung und — zumindest in den USA — Hintergrundprüfungen. In Deutschland ist die rechtliche Lage bei Hintergrundprüfungen eingeschränkter (Datenschutz, DSGVO), aber die reine Identitätsprüfung per Ausweisdokument ist DSGVO-konform möglich und wird vom Meldegesetz ohnehin verlangt.

4. Hausnachrichten und Hausregeln als Filter

Ein oft übersehener Mechanismus: Klare Vor-Buchungs-Nachrichten, in denen spezifische Informationen abgefragt werden (Zweck des Aufenthalts, Anzahl der Gäste, Zustimmung zu Hausregeln), wirken als psychologische Hürde. Gäste, die wissen, dass sie bei einem früheren Aufenthalt negativ aufgefallen sind, brechen den Buchungsprozess häufiger ab, wenn sie merken, dass der Gastgeber genau hinschaut. Im konkreten Fall aus dem Community-Beitrag hat der Gast nach zehn Minuten selbst storniert — möglicherweise genau aus diesem Grund.

Hospitable automatisiert solche Vor-Buchungs-Nachrichten zuverlässig über alle Kanäle hinweg. Auch Lodgify bietet automatisierte Nachrichten, wenngleich der Fokus dort stärker auf der Buchungswebsite und weniger auf dem Multi-Channel-Messaging liegt.

Der Sonderfall Direktbuchungen

Bei Direktbuchungen — in Deutschland bekanntlich verbreiteter als in vielen anderen Märkten — haben Sie als Gastgeber die volle Kontrolle über den Verifizierungsprozess. Hier entfällt der Umweg über die Plattform-Identität. Wer eine eigene Buchungswebsite mit integrierter Zahlungsabwicklung und Gästeverifizierung betreibt, kann unliebsame Gäste anhand der hinterlegten Daten direkt abfangen.

Das setzt allerdings voraus, dass Ihr PMS oder Ihre Buchungslösung ein echtes CRM mit plattformübergreifendem Matching mitbringt — eine einfache Buchungsmaske reicht dafür nicht.

Meldewesen nicht vergessen

Ein spezifisch deutscher Aspekt: Das Meldegesetz verpflichtet Gastgeber zur Erfassung von Gästedaten (Name, Adresse, Geburtsdatum, Ausweisdokument). Wer diese Daten ohnehin digital erfasst — sei es über Chekin, über ein PMS mit Gästeverifizierung oder manuell — hat automatisch eine Datenbasis, die bei Wiederholungstätern hilft. In Städten mit Zweckentfremdungsverbot (Berlin, München, Hamburg, Köln, Frankfurt) werden diese Daten teilweise auch von den Behörden abgeglichen. Die Pflicht wird damit zum Werkzeug.

Fazit: Kein perfekter Schutz, aber deutlich bessere Chancen

Es gibt 2026 keine technische Lösung, die garantiert verhindert, dass ein problematischer Gast unter neuem Namen bucht. Die Plattformen haben kein wirtschaftliches Interesse daran, Buchungen zu verhindern — jede Buchung generiert Provision. Gastgeber müssen deshalb selbst vorsorgen.

Die wirksamste Kombination:

Wer tiefer in die Unterschiede der verfügbaren Tools einsteigen möchte, findet auf unserer Vergleichsübersicht eine aktuelle Gegenüberstellung der wichtigsten PMS-Systeme mit ihren jeweiligen CRM- und Verifizierungsfunktionen.

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